FIFA Eigentor schon vor der WM
Wenn man dem Artikel von Robert Basic folgt, dann kann man schon das Gefühl bekommen, dass die FIFA jegliches Augenmaß verloren hat. Da hat sich doch tatsächlich ein Fußballfan zu einer markenrechtlichen Schandtat sondergleichen hinreißen lassen, er hat sich im überschwänglichen Freudentaumel ob des Erwerbs eines WM-Tickets für den WM-Knaller Iran-Angola ein eigenes Trikot kredenzt und dieses zu allem Überfluss auch noch in seinem Spreadshirt-Shop angeboten.
Es ist offensichtlich, dass bei so einem Knaller von TShirt der Shop-Anbieter exorbitante Gewinne eingefahren hätte und der FIFA aufgrund nicht abgeführter Lizenzkosten ein immenser Verlust entstanden wäre. Eine erste Überschlagsrechnung meinerseits hat ergeben, dass jeder Besucher des WM-Spiels Angola-Iran als potentieller Käufer in Frage gekommen wäre. Das WM Stadion in Leipzig fasst locker 45.000 Zuschauer, das ist kein Pappenstiel. Dann noch die ganzen Beteiligten im Umfeld des Spieles, vom Würstchenverkäufer über den Platzwart bis zu den Balljungen und Parkplatzwächtern. Nicht zu vergessen die Funktionäre, die Journalisten und unsere Freunde und Helfer in Uniform.
Das sind zusammengerechnet 45.000+35+1+120+45+500=45701 potentielle Käufer. Die Fußballspieler, die diversen Trainer, der Sportarzt und die Masseure sowie die Ersatzbank sind nicht mal mit einberechnet. Dann erwartet man noch einen ganz besonderen iranischen Fan-Club mit mindestens 1000 potentiellen TShirt-Käufern am Stadion, was wiederum ein paar Hundertschaften an polizeilichem Aufgebot nach sich ziehen dürfte. Und dann noch die vielen Sympathisanten am Straßenrand. Wenn ich all diese Zahlen zusammenrechne, dann scheint mir eine potentielle Käuferzahl von 50.000 noch sehr konservativ geschätzt. Bei einem Ladenpreis von 22,90 € sollten 10 € Lizenzgebühr eine faire Abgabe sein, folglich entgehen der FIFA aufgrund der unüberlegten Spreadshirt-Aktion Gewinne in Höhe von einer halben Million €!
Wer will bei solch einer Summe noch von “blindem Aktionismus” oder “mit Kanonen auf Spatzen schießen” reden, der gemeine Lizenzdieb kann froh sein, so billig vermahnt worden zu sein. Die FIFA hat hier tatsächlich das Augenmaß verloren, man könnte beinahe von einem Eigentor sprechen, ansonsten hätte der junge Mann mit 6-stelligen Abmahnkosten rechnen müssen. Da hat er noch mal richtig Glück gehabt.
PS: Skeptiker werden mir vorwerfen, etwas einseitig argumentiert zu haben. Aber was tut man nicht alles für ein paar VIP-Karten zum WM-Finale ;-)
Kommentar | 27. Mai 2006 um 16:41 | individueller Kommentarlink
und ich würde an deiner stelle aber ganz schnell das bild runtermachen, sonst gibts statt vip-karten fürs finale, eintrittskarten fürs gefängnis. ;)
Kommentar | 27. Mai 2006 um 17:00 | individueller Kommentarlink
Boah, Bange machen gilt nicht. Ich halte es sowieso für einen Witz, dass es möglich sein soll einen derart allgemeinen Begriff wie WM 2006 markenrechtlich zu schützen. Schützen vor wem? Vor uns vielleicht, dem gemeinen Volk?
Da steht nichts von FIFA, nichts von Fussball, es ist einfach unerklärlich, dass so etwas überhaupt als Marke durchgehen konnte. Und wenn “Fussball WM 2006″ schon markenmäßig nicht zu halten ist, wie soll das dann mit “WM 2006″ funktionieren? Nie und nimmer kann das gehen. Nie und nimmer darf das gehen!
Nieder mit der Marke “WM 2006″!!!
Pingback | 27. Mai 2006 um 17:21 | individueller Pingbacklink
[…] Konkret hat dies jetzt auch ein Nutzer des T-Shirt Shops Spreadshirt zu spüren bekommen, der sich, überwältigt von der überschwänglichen Freude, ein WM-Tickets für das WM-Spiel Iran-Angola sein eigen zu nennen, ein Shirt mit dem Aufdruck “WM 2006 - IRAN-ANGOLA - ich war dabei” hat drucken lassen. Unvorsichtigerweise bot er dieses Shirt auch in seinem Partnershop feil - Die Abmahnung der FIFA erfolgte promt und bar jeglichen Augenmasses. Spreadshirt hat darauf reagiert und kündigte in einem Sondernewsletter an, alle Shops rigoros und ohne Einzelfallprüfung zu bereinigen und damit in die Autonomie der Shopbetreiber einzugreifen. Da die MAFIA FIFA gegenüber Spreadshirt keine konkreten Verstöße nennt und konkrete Fundorte erst auf Nachfrage angibt, nachdem sie die kostenpflichtigen Abmahnungen an die Shopbetreiber verschickt hat, ist dies wohl der einzig mögliche Schritt. Also liebe Kinder: Nicht den Filzstift nehmen und T-Shirts zur Waldmeisterschaft mit Bäh-Worten beschmieren! […]
Kommentar | 27. Mai 2006 um 20:26 | individueller Kommentarlink
So weit wie ich das verfolgt habe ist die Marke wm 2006 noch nicht gerichtlich verarbeitet worden. Ferrero klagt ja gegen den Eintrag im dt. Markenregister.
Als europäische Marke soll ja immer noch “Fussball wm 2006″ eingetragen sein.
Das die FIFA da jetzt nocheinmal richtig Gas gibt, um schnell noch ein paar Unterlassungen zu bewirken, ist abzusehen.
Allerdings eine Abbildung eines Shirts so wie hier gezeigt scheint rechtlich unbedenklich, da ja kein Produkt verkauft wird und somit keine Lizenzgeb. entgehen.
Kommentar | 27. Mai 2006 um 22:40 | individueller Kommentarlink
Das ist alles unglaublich. Ja, ich bin kein Fußball-Fan aber die ganze Berichterstattung, über das Vorgehen der Fifa, wird doch langsam absurd. Mir tun die Fußball-Fans, die sich auf einen Stadionbesuch gefreut haben, leid. Ich denke die Fifa hat sich selbst keinen Gefallen getan…
Kommentar | 30. Mai 2006 um 16:41 | individueller Kommentarlink
Die Mentalität der FIFA kann ich nicht ganz nachvollziehen. Da die großen Sponsoren richtig viel Geld bezahlen, damit sie das grauenhafte Smily-Logo auf in ihrer Werbung verwenden dürfen, ist es nur fair, wenn die FIFA in diesem Gebiet nicht zahlenden Trittbrettfahrern auf die Finger klopft. Aber bei solchen Bagatellen? Man halte sich vor Augen: Ein Sport-Weltverband behandelt die Fans der eigenen Sportart wie seine schlimmsten Feinde. Dabei sollte ein solcher Verband im Grunde nur ein Handlungsorgan sein, das im Sinne eben dieser Fans bestimmte Dinge organisiert, damit sowohl Fans als auch aktive Sportler Freude an ihrem Sport haben. In anderen Sportarten wäre ein solches Vorgehen undenkbar. Aber die große FIFA kann sich anscheinend problemlos Dinge leisten, die ein normales Unternehmen niemals tun würde, weil sie absolut kundenunfreundlich und sehr schlecht fürs Image sind. Aber die Auswirkungen solcher Lächerlichkeiten auf das eigene Image sind der FIFA anscheinend egal. Monopolist zu sein ist schon praktisch …
Trackback | 31. Mai 2006 um 13:17 | individueller Trackbacklink
Fuck the FIFA
The FIFA is running wild since a couple of months, and there are lots of stories about it out there. However, I think they’ve now finally had it. A fan so enthusiastic about getting tickets to the top seller world championship game Angola-Iran pr…
Kommentar | 7. Juni 2006 um 19:04 | individueller Kommentarlink
Die Fifa hat gegen Ferrero einen Reichtsstreit verloren. Der Begriff “WM 2006″ kann nicht geschützt werden.
Kommentar | 27. Juni 2006 um 09:27 | individueller Kommentarlink
Na zum Glück sind sie damit nicht durchgekommen.
Sonst hätte ich anfangen müssen zu überlegen. Wie ich sonst die “WM 2006″ bezeichnen könnte. Naja für mich hat die FIFA auch nichts mehr mit Sport zu tun. Das ist für mich nur noch ein Verein, der nur noch das Geld sieht und mehr nicht.