Als erklärter Freund von Wortspielereien und unschuldiges Opfer unserer Rechtschreibreform war es kein Wunder, dass ich zu meinem Geburtstag mit den drei Bänden von Bastian Sick beschenkt worden bin. In “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod” kämpft Bastian Sick für die Reinerhaltung der deutschen Sprache, klärt über die Herkunft und den korrekten Einsatz von Wörtern auf, geißelt den sich langsam in den deutschen Wortschatz hineinschleichenden Dativ, beklagt den zunehmenden Missbrauch des Apostrophs und bejammert das Elend mit dem Bindestrich. Und viele Dinge mehr.
Große Unterhaltung. Und ein aufklärerisches Werk. Es dürfte kaum eine Zeit gegeben haben, in der so viele Menschen über Genitiv und Dativ Bescheid wussten, wie heute in den Tagen des Sickschen Millionensellers. Immerhin eine Zeit, in der die PISA-Studie zu einer größeren bildungspolitischen Schieflage geführt hat als der gleichnamige Turm zu Babel. ;-)
Doch so gut mir Sicks Plädoyer für den Genitiv gefallen hat, aus seologischer Sicht muss ich wieder sprechen. Und zwar dagegen. Stop(p)! Denn es gibt gewichtige Gründe für ein schlechtes Deutsch. Ich nenne nur die wichtigsten drei: Google, Yahoo und MSN. Genau diese Suchmaschinen begünstigen den zunehmenden Verfall der deutschen Sprache. Erstaunt? Ja, dann denkst du noch wie ein normaler Mensch. Nein, dann denkst du wie ein gemeiner SEO.
Dem gemeinen SEO geht es weder um Grammatik, Richtigschreibung oder korrekte Zeichensetzung, ihm geht es einzig und allein ums “Gefunden werden”. Zu diesem Zweck begibt sich der gemeine geschickte SEO auf das grammatikalische Niveau der Suchmaschinen (also ganz unten) und wirft den primitiven Maschinenknechten genau jene Wortbrocken vor, die diese am leichtesten verdauen können. Wortstämme werden beschnitten, Apostrophe werden eingestreut und bindende Striche sprengen altgediente Wortfugen. Denn Google & Co sind auf exakte Schreibweisen fixiert, darüber hinausgehende Deklinationen und Konjugationen überfordern die maschinelle Intelligenz.
Langer Rede kurzer Sinn. Ein SEO zieht oftmals den Dativ dem Genitiv vor, weil der Dativ die gegen Google laufenden Suchanfragen besser bedient. Der Dativ ist gewissermaßen der Simplizissimus der deutschen Grammatik. Er macht die Sprache primitiv - und damit suchmaschinentauglich. Verdeutlichen wir uns das einfach mal an einem Beispiel.
Gesetzt den Fall, unser SEO wollte auf das Keywort “Sick” optimieren, vielleicht sogar auf die Kombination Sick + Buch. In diesem Fall würde es keinen Sinn machen von “Sicks Buch” zu reden, gelockerte Schreibweisen wie “dem Sick sein Buch” oder “das Buch vom Sick” klingen zwar weniger elegant, brächten aber das Wesentliche an den Mann bzw. die Maschine - das Keywort “Sick”. Vom Genitiv-s befreit, kann es seine volle Wirkung in Googles Index entfalten. Und wem derlei Wort-Akrobatik zu mühselig erscheint, der schmerzfreie Einsatz des Deppenapostrophs in “Sick’s Buch” hätte eine ähnliche Wirkung erzielt.
Ich könnte jetzt noch seitenlange Beispiele zu weiteren genitiven Fällen geben. Oder mit dem Plural-s ein weiteres seofeindliches Attribut zerlegen und seine geheime Beziehung zu Apostrophenkatastrophen öffentlich machen. Selbst Schauermärchen vom Schusterjungen, der besser bei seinen Leisten geblieben wäre oder vom Hurenkind, das auf dem Bindestrich anschaffen musste, wüsste ich zu erzählen.
Doch leider lassen Zeit und Raum all dieses hier nicht zu und so muss ich euch damit vertrösten, dass vielleicht eines schönen Tages diese und weitere interessante Informationen ihren Weg in ein papiernes Machwerk namens “Der SEO ist dem Genitiv sein Tod” finden werden und dass ich ansonsten nur noch einen alten SEO Merkspruch für euch auf Lager habe:
Es kann der beste SEO nicht in Frieden leben, tut er sich nicht den Dativ geben.
Und allen, die nicht Ewigkeiten auf das neue SEO Meisterwerk warten wollen, empfehle ich: Kauft dem Sick sein Buch!