Hartz IV oder Deutschland ein Sommermärchen

Anscheinend herrschen hierzulande paradiesische Zustände, anders kann ich mir solch einen Kommentar nicht erklären:

… vor Einführung dieser schlaraffenlandähnlichen Zustände

Diskussionsthema war die von den fabelhaften Märchen-Onkeln Peter Hartz und Gerhard Schröder initiierte deutsche Arbeitslosenmarkt-Revolution, jenes Zauberkunststück sozialer Leidkultur, das alle Probleme gelöst hat und auf breiter Front nur Zustimmung findet.

Nach meinem Hartz IV Beitrag vor 3 Tagen habe ich mich etwas intensiver mit dem Thema auseinander gesetzt und bin erschrocken, welche krassen Unterschiede in den Argumentationen, Diskussionen und Kommentaren rund um die Themen ALG II und Hartz IV zutage treten. Für die einen sind Hartz IV Empfänger allesamt Sozial-Schmarotzer und Faulenzer, die wie die Maden im Speck leben - also wie im Schlaraffenland. Für die anderen ist es der gesellschaftliche Abstieg an den Rand des Existenzminimums (und teilweise noch darunter) und ein hoffnungsloser Kampf gegen die Windmühlen der Arbeitslosigkeit - also eine menschliche Tragödie.

Mein Vorschlag: All jene, die an das Märchen vom Hartz IV Schlaraffenland glauben, sollten für ein Jahr die Gelegenheit bekommen, dieses Land zu besuchen. Ein Jahr auf der faulen Haut liegen, die Hand aufhalten und dem Nichtstun fröhnen. Gibt es etwas schöneres? Ein Jahr lang arbeitslos in Deutschland. Ein Sommermärchen.

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17. August 2007     Bedenkliches     Trackback-URL     kommentieren

7 Kommentare

  1. 1 nastorseriessix:

    1Jahr Arbeitlosigkeit, wer das toll findet, rein von dem Standpunkt her das man keine Arbeit bekommt noch nicht mal nen minijob o.ä. und zum nichtstun verdammt ist mit knapp 400€ pro Monat , der hat echt einen schaden.

    So toll ist das überhaupt nicht. Zudem ist der Wert den man als Mensch aufgedrückt bekommt ein ganz anderen, sobald rauskommt irgendwo das man an der Nadel vom Staat hängt. Sei es beim evtl. neuen Arbeitgeber oder sonst wo…

  2. 2 Horst:

    Hartz IV ist alles andere als Lustig. Aber ich finde manche Diskussion geht am Thema vorbei. Siehe z. B. die Rechnerei mit Centbeträgen um die tägliche Ernährung auf Link unter meinem Namen. Wem nützt sowas? Das lenkt doch nur von der eigentlichen Grundsatzdiskussion ab.

  3. 3 Faule Haut:

    Hartz-IV-Empfänger müssen jede “zumutbare” Arbeit annehmen, die ihnen angeboten wird, ansonsten wird kräftig gekürzt. (Und man sollte sich keine Illusionen darüber machen, was in Deutschland alles “zumutbar” ist).

  4. 4 Wolfgang:

    Ich war ein Jahr lang im Schlaraffenland Hartz IV. Es war einfach nur toll: Wenn Du im Sommer mal ein Eis essen möchtest, machst du halt den Kühlschrank auf und holst dir nen Eiswürfel raus, kaufen kannst du dir nix. Hast du Hunger, dann isst du halt zum 486sten mal Nudeln mit Ketchup, das ist das Billigste. Möchtest du ein Auto, kein Problem, schneide es dir aus dem Prospekt aus, das kostet nix. Du willst nach Jahren mal Urlaub machen, na prima, schau dir doch im Fernsehen die Urlaubsberichte an, wenn du noch nen Fernseher hast!? usw. usw. usw.! Aber einen Vorteil hatte Hartz IV denn doch, ich habe gelernt mit Geld umzugehen, ich komme nun mit einem minmalem Geldbetrag super aus, ein Buch “Geld muss Kinder kriegen,.. für immer Schulden-los” habe ich auch darüber geschrieben und ich habe festgestellt, dass man viele DINGE im Leben gar nicht braucht.

  5. 5 macdet:

    allein die Vielzahl der glücklichen Empfänger und deren Internetseiten ist doch erschreckend.

    macdet
    – hartz iv muss man sich leisten können —

    PS:haben unser Forum auch um diesen Teil erweitert :)

  6. 6 Workers:

    Also ich denke, das es sehr viele gibt, die vom ALGII sehr gut leben können. Andere halt nicht. Frage ist nur, wie die einen das machen? … Man könnte es mit Schwarzarbeit versuche oder andere lustiger sachen die man das Geld direkt bekommt. Im Webmasterbereich leider nicht zu machen. Die Provisionen werden immer überwiesen. Ich hätte DOCH Maurer werden sollen

  7. 7 Biggi:

    Hallo,
    ich war (vor langer Zeit) einmal fast ein Jahr arbeitslos. Es war NICHT schön. Das Geld (damals ja noch ALGI) hat vorne und hinten nicht gereicht - und ich wußte mit der Zeit nix anzufangen. Irgendwann wird man träge und gibt auf.

    Klaro, habe ich weiter Bewerbungen geschrieben - aber krieg mal eine Stelle, wenn sich noch 100 - 200 andere genau um die gleiche Stelle bewerben.

    Ich habs dann doch irgendwann geschafft… und sehr froh darüber, endlich wieder unter den “Lebenden” zu weilen. Denn, sobald man arbeitslos ist, geht der soziale Abstieg sehr schnell.

    Klaro, gibt es bestimmt auch Leute, die gar keine Lust zum Arbeiten haben - auch wenn sie könnten - aber die sind bestimmt in der Minderheit.

    Biggi

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